Tch.Girls.Change Abschlussfeier - Vergabe der Tech.Girls Qualitätsgütesiegel. Foto: Peter Kainrath

Gemeinsam mit der Frauenstiftung Steyr, dem ÖGB und dem Netzwerk Zukunftsregion Steyr setzte sich der Verein FAZAT im Projekt "Tech Girls Change" für weibliche Lehrlinge in technischen Berufen ein. Projektziel war eine gendergerechte Verbesserung in technischen Unternehmen und die Stärkung von jungen Frauen in technischen Lehrausbildungen entsprechend ihren Bedürfnissen.

 

HERAUSFORDERUNG

Junge Frauen in technischen Lehrausbildungen sind noch immer eine Minderheit. Unter den Lehrabbrecher:innen sticht hervor, dass der weibliche Anteil an Lehrabbrecher:innen höher ist als jener der männlichen. Die Ursachen für Lehrabbrüche sind vielfältig und reichen von Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen über mangelnde Kompetenzen der Lehrlinge bis hin zu persönlichen Gründen oder berufswahlbezogenen Gründen. Wie ausschlaggebend die Gründe jeweils für weibliche Lehrabbrecherinnen in technischen Berufen sind, ist bislang wissenschaftlich nicht fundiert erforscht.

 

PROJEKTUMSETZUNG

Wie es den jungen Frauen in technischen Lehrberufen im Berufsalltag geht, auf welche Rahmenbedingungen sie treffen und welche Verbesserungsvorschläge sie für ihre Arbeitgeber:innen haben, wird in einer 6teiligen Workshopreihe mit der Frauenstiftung Steyr erhoben. 

Im Anschluss werden die daraus gewonnenen Erkenntnisse in einem Transferworkshop an die Unternehmen kommuniziert, Änderungen sollten implementiert und im Herbst bei einem weiteren Termin dann überprüft werden – sind sie spürbar, sind sie effektiv?

Durchgang 1 - 2024

Im März 2024 startete die erste Workshopreihe mit 12 Teilnehmer:innen vom BMW GROUP Werk Steyr und SKF Steyr. Es wurden Themen und Verbesserungsmöglichkeiten für die Unternehmen herausgefiltert, um weiblichen Lehrlingen den Arbeitsalltag zu erleichtern. Nach Abschluss der Workshops fanden in den Unternehmen Follow-Up-Termine statt. In einem laufenden Prozess wird geprüft, was bereits umgesetzt wurde und welche Auswirkungen die Veränderungen haben.

Durchgang 2 - 2025

Im Februar 2025 startete der zweite Durchgang, an dem 9 weibliche Lehrlinge mit sechs unterschiedlichen Lehrausbildungen von drei Unternehmen teilnahmen.  Vier Lehrlinge arbeiteten bei Weber Hydraulik, vier bei Steyr Automotive und eine bei BMD Systemhaus. 

 

PROJEKTZIEL

Übergeordnetes Ziel war die Stärkung benachteiligter Gruppen und damit die Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen junger Frauen in technischen Lehrausbildungen sowie die Förderung des Verbleibs in diesen Berufen auch nach Ausbildungsende.

Im Besonderen zielte das Projekt auf:

  • Stärkung der Selbstwirksamkeit und Sozialkompetenz von Mädchen/jungen Frauen in technischen Lehrausbildungen entsprechend ihren Bedarfen.

  • Sichtbar machen von Herausforderungen und geschlechtsspezifischer Ungleichbehandlung anhand von praktischen Erfahrungen der teilnehmenden Mädchen/jungen Frauen. 

  • Verbesserung der Ausbildungssituation durch konkrete, unternehmensbezogene Maßnahmen mittels Transfer der Anliegen der teilnehmenden Mädchen/jungen Frauen in ihr jeweiliges Unternehmen.

  • Entwicklung von Qualitätsstandards und einer Zertifizierung für gendergerechte Rahmenbedingungen in technischen Unternehmen.

 

PROJEKTERGEBNISSE

Direkte gendergerechte Maßnahmen seitens der Unternehmen

In Workshops zu Kommunikation, Teamarbeit, Solidarität, Selbstwirksamkeit und Gendergerechtigkeit entwickelten die Lehrlinge konkrete Ideen, die sie anschließend in Transfer-Workshops direkt ihren Ausbilder:innen und Führungskräften präsentierten. Viele Maßnahmen wurden rasch umgesetzt – darunter weibliche Mentorinnen und Ansprechpersonen, passgenaue Arbeitskleidung, Jugendvertrauensräte mit weiblicher Vertretung, Hygieneartikel, Sportangebote und größere Spindräume. Ergänzend wurden Workshops für alle Lehrlinge eingeführt, um ein respektvolles Miteinander zu fördern.

Neue TECH.GIRLS Qualitätssiegel 

Im Rahmen der Präsentation wurde auch das neue TECH.GIRLS Qualitätssiegel vorgestellt. Es steht für ein klares Bekenntnis zur Förderung weiblicher Talente in technischen Lehrberufen. Das Siegel ist ein deutliches Ja zur Weiterentwicklung betrieblicher Strukturen, zu geschlechtergerechten Rahmenbedingungen und zu einer Unternehmenskultur, die Werte, Vielfalt und Chancengleichheit sichtbar lebt.

Das TECH.GIRLS Qualitätssiegel steht allen Betrieben offen, die ihre Ausbildungsqualität geschlechtergerecht weiterentwickeln möchten. Mehr Informationen finden Sie auf der Website der Frauenstiftung.

 

PROJEKTPARTNER

Projektleitung: Frauenstiftung Steyr

Projektpartner: ÖGB, Netzwerk Zukunftsregion Steyr, Verein FAZAT

 

FÖRDERGEBER

Die Umsetzung ermöglicht die Arbeiterkammer OÖ durch die Förderung aus Mitteln des AK-Ausbildungsfonds.

 

INFOS

www.frauenstiftung.at

 

STATUS

Das Projekt wurde im Herbst 2025 abgeschlossen.